Wenn die Kurse runtergehen? Wie hält man das nur aus?

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Bei der Geldanlage an der Börse nicht überstürzt handeln

Wer an der Börse Geld anlegen will, wird sich immer mit einem Auf und Ab konfrontiert sehen. Die Märkte schwanken, sie reagieren zum Beispiel erheblich auf weltwirtschaftliche Krisen. Das zeigte sich unter anderem an der Bankenkrise ab 2007. Notierte der DAX zuvor noch bei über 8.000 Punkten, stürzte der deutsche Leitindex zwischenzeitlich auf unter 4.000 Punkte ab. Viele Anleger gerieten in Panik, sie stießen angesichts des massiven Abwärtstrends ihre Wertpapiere ab.

Dieses Verhalten lässt sich psychologisch leicht nachvollziehen: Anleger schauen in solchen Situationen im Onlinebanking auf ihren Depotwert und sehen ein rasch schwindendes Vermögen. Tägliche Negativ-Schlagzeilen in den Medien kommen hinzu, sie verschlimmern die Angst um das Eigentum. Anleger wollen wenigstens noch den verbleibenden Restwert ihrer Geldanlage sichern. Sie verfahren nach dem Motto: Die aktuellen Verluste sind schon schlimm genug, mit einem Verkauf lässt sich zumindest noch ein wenig des investierten Kapitals retten. Doch diese weitverbreitete Verhaltensweise erweist sich oftmals als falsch. Das beweist das genannte Beispiel des DAX während der Bankenkrise: Nach einem Tief erholte sich der Leitindex innerhalb weniger Jahre, im April 2015 markierte er mit rund 12.400 Punkten einen neuen historischen Rekordstand. Geduld zahlt sich bei einer Geldanlage an der Börse häufig aus. Wer unter anderem ein ETF auf den DAX nicht überstürzt in der Krisenzeit verkauft hat, kann sich heute über eine hohe Rendite freuen.

Im Börsentief: So handeln Anleger richtig

Noch höhere Erträge haben die Investoren mit ihrer Geldanlage verbucht, die bei den besonders niedrigen Börsenkursen 2009 Aktien oder Aktienfonds nachgekauft haben. Vielfach empfiehlt sich dieses antizyklische Verhalten, wenn Sparer an der Börse Geld anlegen. Sie sollten sich nicht von fallenden Kursen beunruhigen lassen. Verluste realisieren sie erst, wenn sie Wertpapiere tatsächlich verkaufen. Davor stellen die Zahlen reine Buchwerte dar, die sich wieder deutlich verbessern können. Es ist klüger, Börsentiefs stets als Chance zum Nachkaufen zu begreifen. Sinken die Kurse massiv, können Anleger attraktive Aktien und Fonds zu günstigen Preisen erwerben. Sie sollten aber ein möglichst gutes Timing wählen. Bestenfalls kaufen sie zu dem Zeitpunkt, an dem die Werte ihren Tiefststand erreicht haben oder zumindest in der Nähe notieren.

Besitzen Anleger nur einzelne Aktien im Depot oder fokussieren sie mit ihrer Geldanlage bestimmte Branchen, sollten sie stets eine Einzelanalyse durchführen. Nicht alle Unternehmen und Branchen entwickeln sich wie der allgemeine Markt, es kann beispielsweise zu großen Abweichungen zum breit angelegten DAX kommen. Im Einzelfall kann es Sinn ergeben, wenn Sparer bei Kursstürzen die Notbremse ziehen. So geraten manche Aktiengesellschaften in eine tiefe Krise, eine Aussicht auf bessere Geschäftszahlen besteht nicht. Stattdessen drohen weitere Kursverluste ohne Perspektive auf eine spätere Kurserholung. Mit einem rechtzeitigen Verkauf ihrer Geldanlage können Aktienbesitzer ihre Verluste eindämmen. Dann handelt es sich nicht um ein panikartiges, psychologisch begründetes Verkaufen, sondern um ein durchdachtes Ziehen der Reißleine. Auch diesbezüglich können psychologische Blockaden ein empfehlenswertes Handeln verhindern: Manche klammern sich selbst bei negativen Bewertungen einer Aktie an der Hoffnung auf eine Kurserholung fest, obwohl nichts dafür spricht. Andere wollen Wertpapiere aus ideellen Gründen nicht verkaufen, weil sie zum Beispiel Teil einer Erbschaft waren.

Klug Geld anlegen: Risikostreuung und längerfristiger Anlagehorizont

Bei Kursstürzen werden alle Anleger unruhig, das lässt sich meiden. Diese Angst lässt sich aber mit zwei Tipps für die Geldanlage eindämmen: Erstens sollten Sparer Risiken streuen. Für die Geldanlage an der Börse bedeutet das, in möglichst viele etablierte Unternehmen in unterschiedlichen Branchen zu investieren. Dafür kommen auch Investmentfonds infrage, bei denen Anleger diese Risikostreuung bereits mit kleineren Summen verwirklichen. Darüber hinaus sollte sich niemand ausschließlich auf Aktien konzentrieren. Ein Teil des Vermögens sollte in Geldanlagen mit hoher Sicherheit fließen, zum Beispiel in Anleihen, Festgelder und Immobilienfonds. Diese Risikostreuung sorgt dafür, dass sich Sparer nicht komplett von der Entwicklung einzelner Wertpapiere und des Aktienmarkts abhängig machen. Sie haben immer eine gewisse Sicherheit, was vorübergehende Verluste auf dem Papier leichter erträglich macht. Zweitens sollten alle, die an der Börse Geld anlegen, einen längerfristigen Anlagehorizont wählen. Zudem sollten Sparer das Geld nicht zu einem bestimmten, vorab festgelegten Zeitpunkt benötigen. Mit dieser Herangehensweise lassen sich zwischenzeitliche Kurstiefs leichter aushalten. Anleger setzen sich dann nicht selbst unter Handlungsdruck: Sie wissen, dass sich die Kurse bei einer breit gestreuten Geldanlage auf Dauer wieder erholen und dass deshalb kein Grund zur Sorge besteht.