P&R Pleite - Der letzte Brief des Insolvenzverwalters ist hat es in sich. Wer falsch handelt, riskiert sein Geld.

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Am 24.07.2018 wurde das Insolvenzverfahren für die P&R-Vertriebsgesellschaften vom Amtsgericht München eröffnet. Die rund 54.000 Anleger können nun ihre Forderungen bis zum 14.09.2018 zur Insolvenztabelle anmelden. Bis hierhin scheint erst einmal alles normal. Ansprüche Anmelden ist immer gut. Denn wer es nicht macht und diese Frist verpasst, wird mit Sicherheit wohl leer ausgehen.

 
Hinweis

Dieser Artikel stellt keine Rechtsberatung dar, sondern dient lediglich als allgemeine Information. Natürlich schreiben wir die juristischen Inhalte nicht selbst. Für die in diesem Artikel ist Rechtsanwalt Johannes Hoppe verantwortlich (Sie haben Fragen? Tel.  0431 3800 590).

Soweit so gut, aber der Teufel steckt im Detail:

Die Insolvenzverwalter Michael Jaffé und Philip Heinke lassen hierzu den Anlegern Formulare zukommen, die bereits vorausgefüllt sind. Hier bestehen vier Probleme:

1. Die korrekte Form muss gewahrt sein

Sofern die Formulare nicht korrekt ausgefüllt werden, werden die jeweiligen Forderungen beim Insolvenzverfahren nicht berücksichtigt. Ein kleiner Fehler genügt und die Form wurde nicht eingehalten. Für den Laien mag das eine Bagatelle sein aber die "Rechtswelt" hat ihre Regeln.

Hintergrund

Zur korrekten Anmeldung der Forderungen muss der Forderungsgrund vollständig benannt und belegt werden. Fehler wirken an dieser Stelle fatal aus. Übernimmt ein Rechtsanwalt die Anmeldung der Forderungen, ist sichergestellt, dass die Anmeldung korrekt erfolgt.


2. Auf versteckte Klauseln achten

Es ist eine Klausel in dem Standard-Formular der Insolvenzverwalter vorhanden, wonach die Anleger ihr Recht auf Abtretung aufgeben.Was bedeutet das im Detail?

Hintergrund

Laut Vertrag steht den meisten P&R-Anlegern ein Sicherungsrecht zu. Dies bedeutet, dass sie ihre Mietforderungen direkt gegen die Schweizer P&R-Gesellschaft richten können, sofern die deutschen P&R-Gesellschaften den Mietzahlungen nicht mehr nachkommen können. Ein Anleger, der ca. 30.000,00 € in 11 Standardcontainer investiert hat, hätte somit einen Anspruch auf monatliche Mietzahlungen i.H.v. ca. 800 €. Diesen Anspruch könnte er laut Vertrag trotz Insolvenz der deutschen P&R-Gesellschaften noch gegen die solvente Schweizer P&R-Gesellschaft geltend machen. Um sicher zu gehen, dass mit Unterzeichnung der Forderungsanmeldung nicht auf diese Ansprüche verzichtet wird, sollte ein Rechtsanwalt das Standardformular der Insolvenzverwalter prüfen und gegebenenfalls anpassen.


3. Wer viel investiert hat, hat viel zu verlieren

Möglicherweise können Anleger unabhängig vom Insolvenzverfahren Schadensersatzansprüche geltend machen. Dies ist allerdings ab einem Streitwert i.H.v. 5.000,00 € nur mit einem Rechtsanwalt möglich. 

Hintergrund

Als Anspruchsgegner kommen hier zum einen die Anlageberater in Betracht. Hier müsste dargelegt werden, dass die Anlageberater ihrer Pflicht zur Aufklärung über bestehende Risiken (insbesondere Totalverlustrisiko) nicht nachgekommen sind.

Des Weiteren sind Schadensersatzansprüche gegenüber den Wirtschaftsprüfungsgesellschaften möglich. Die Grundlage für solche Schadensersatzansprüche könnte sein, dass eine vollständige Vertragsabwicklung von unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften testiert wurde, obwohl fast eine Million Container nicht existent waren. (Anmerkung der Redaktion: Wahnsinn!)


4. Wie heißt es in der Ehe so schön: Drum prüfe, wer sich ewig bindet!

Kommen wir wieder zum Standardformular des Inselvensverwalters. Unterzeichnet die Anleger dieses Formular einfach so, bestätigt er zwar seine Forderungsanmeldung aber er bestätigt auch, dass er keine Aussonderungsrechte geltend machen. (Anmerkung der Redaktion: Wir sind an dieser Stelle einmal baff und sprachlos.)

Hintergrund

In den letzten Monaten wurde in den Medien darüber berichtet, dass die Anleger ein Aussonderungsrecht haben könnten. Dies würde bedeuten, dass die Container nicht zur Insolvenzmasse gehören würden und die Anleger einen Herausgabeanspruch hätten. Hierfür müssten die Anleger Eigentümer der Container sein. Dies wird von den Insolvenzverwaltern allerdings bestritten. Denn in den meisten Verträgen soll keine Konkretisierung über den Kaufgegenstand erfolgt sein. Dies ist allerdings Voraussetzung für die Übertragung von Eigentum. Eine reine Typenbezeichnung der Container reiche nicht aus. Auch die Vorlage der Eigentümerzertifikate würde daran nichts ändern. Denn diese hätten innerhalb von 90 Tagen nach Vertragsschluss dem Käufer übergeben werden müssen. Dies soll regelmäßig nicht passiert sein. Daher sind die Container laut der Insolvenzverwalter Bestandteil der Insolvenzmasse. Aber eine grundlegende abschließende rechtlich bindende Entscheidung oder Auslegung gibt es hier nicht. Ob der Insolvenzverwalter mit seiner Auslegung recht behält, werden wohl zukünftige Prozesse zeigen. Fakt ist aber, dass man mit der Unterzeichnung des Standardformulars sich die Möglichkeit Ansprüche an "seinen Containern" geltend zu machen, verwirkt. Es ist daher ratsam, jeden Einzelfall von einem Rechtsanwalt überprüfen zu lassen. 


Fazit

Rund um die Insolvenz von P&R gab ubd gibt es diverse Unsicherheiten. Das ganze Hin und Her ist für Anleger mehr als ärgerlich. Aber die Situation ist so wie sie ist. Nun endlich muss gehandelt und eine Zeit des Abwartens ist vorbei. Die Anleger müssen jetzt aktiv werden. Endlich hat man das Gefühl, dass etwas passiert, dass man einen Schritt vorran kommt. Doch umso trauriger ist es, dass der Insolvenzverwalter, auch wenn es sein gutes Recht ist, Formulare für die Anleger vorbereitet, die am Ende den finanziellen Reinfall des persönlichen P&R Investments finalisieren könnten. Aus unserer Sicht ist ein vorgefertigtes Schreiben, dass den einen Anspruch anzumeldet und gleichzeitig andere Ansprüche für immer ausschließt, schon besonders. Wer noch handeln und sich alle Optionen an sein Geld zu kommen, aufrechterhalten möchte, sollte das Standardformular nicht so akzeptieren und sich für diesen Sachverhalt evtl. anwaltliche Unterstützung suchen. Wir wünschen jedem Anleger an dieser Stelle wirklich viel Erfolg.